Studiengebühren: Geistige Verarmung der Bildungslandschaft
16.01.2005: Die CDU-regierten Bundesländer wollen ab nächstem Jahr nachlaufende Studiengebühren einführen.
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Bildung - demnächst nur noch eine Ware? |
Der baden-württembergische Minister Frankenberg erklärte am 15.1. im Südkurier: "Die CDU-Länder haben begonnen, sich abzustimmen. Das läuft bereits. Nächste Woche haben wir ein Treffen der Minister, um uns auf das Urteil vorzubereiten und dann koordiniert vorzugehen. Wir sind uns alle einig, dass es nachlaufende Studiengebühren- und Studienkredite geben wird."
Die CDU-Länder vertreten damit ein Modell, dass einer umgekehrten Rentenversicherung gleicht: Nach dem Studium müssen die Gebühren ab einer bestimmten Einkommenshöhe zurückgezahlt werden.
Der AStA hält diese Pläne für falsch: Erstens werden sozial Benachteiligte vom Studium abgeschreckt. Das zeigt die Entwicklung in Australien, wo nachlaufende Studiengebühren schon in den 80er Jahren eingeführt wurden. Damals wurde das als "einzig sozial gerechtes Gebührenmodell" gefeiert. Seit dem wurden jedoch die Tilgungsfristen gekürzt, die Rückzahlungsschwelle beim Einkommen immer weiter gesenkt und die Gebühren erhöht. Von "sozial gerecht" ist keine Rede mehr.
Die Pro-Gebühren-Argumente hält der AStA für kurzsichtig:
Argument 1: "Gebühren bringen den Unis mehr Geld." Die Erfahrung aus anderen Ländern zeigt dagegen: Was die Hochschulen ihren Studis aus der Tasche ziehen, kürzt der Finanzminister auf der anderen Seite wieder weg.
Argument 2: "Die Studenten müssen ihren Teil zur Haushaltssanierung beitragen." Fakt ist: Vermögende und Großunternehmen zahlen in Deutschland tendenziell immer weniger Steuern, obwohl die deutsche Wirtschaft von den Hochschulabgängern ("Humankapital") profitiert. Der finanzielle Druck wird nun u.a. an die Studierenden weitergegeben.
Argument 3: "Gebühren sind sozial gerecht, weil die Studierenden von ihrem Studium finanziell profitieren." Fakt ist: Nicht jeder Studi wird mal Spitzenverdiener. Über ein gerechtes Steuersystem mit entsprechenden Spitzensteuersätzen lassen sich Vermögende besser zur Finanzierung des Gemeinwesens heranziehen als über Studiengebühren. Die Bundes-CDU fordert übrigens genau das Gegenteil: Sie will Spitzensteuersatz und Kapitalsteuern senken.
Argument 4: "Kindergärten nehmen auch Gebühren, warum dann nicht die Unis?" Diesem Argument schließt sich der AStA uneingeschränkt an: Wir fordern gebührenfreie Kitas im Sinne einer kinderfreundlicheren Gesellschaft.
Bildung als Ware?
Es gibt noch einen weiteren Grund, der gegen die Einführung von Gebühren spricht: Bildung wird dadurch zur Ware, deren Angebot sich nur noch nach Angebot und Nachfrage richtet. Auch das lässt sich am Beispiel Australiens belegen: Für unterschiedliche Studiengänge werden dort - je nach Nachfrage - unterschiedliche Gebühren verlangt. Medizin und Jura bringen viel, Geisteswissenschaften bringen wenig Geld ein. Weil das Geld an die Hochschulen fließt, sortieren diese alles aus, was teuer ist oder wenig einbringen. Die Folge: Geisteswissenschaftliche Fächer und Randdisziplinen mit hohem Forschungsaufwand fliegen aus dem Angebot. Die bisherigen Erfahrungen belegen: Studiengebühren machen Bildung zur Ware und führen zur geistigen Verarmung der Bildungslandschaft. Das humanistische Bildungsideal wird mit Füßen getreten.
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