Eklat während der Senatssitzung
18.05.2006: Präsident Steinberg verhindert Beschluss des höchsten Uni-Gremiums zu Studiengebühren.
Heute tagte der Senat der Universität Frankfurt um 14 Uhr. Wegen des großen studentischen Interesses an der Sitzung tagte der Senat außerplanmäßig in der Aula der Universität. Etwa 600 interessierte Studierende wohnten dieser Sitzung bei.
Weitere 3000 harrten außerhalb des Gebäudes aus um den anwesenden Studierenden ihre Unterstützung auszusprechen. In der anfangs noch freundlichen Gesprächsatmosphäre wurde die Problematik von allgemeinen Studiengebühren sowohl aus Sicht des Senats als auch aus Sicht der Studierendenschaft besprochen. Zum Eklat kam es allerdings als einige Senatoren und der Universitätspräsident ihre absolute Unkenntnis über das Vorhaben der Landesregierung einräumen mussten.
Mehrere professorale Senatoren und der Präsident gaben an, nicht über das Gesetzesvorhaben informiert zu sein. Dabei liegen die wesentlichen Details schon seit Wochen auf dem Tisch. Senatoren und der Uni- Präsident, die sich augenscheinlich so wenig für die Belange ihrer Studierendenschaft interessieren, dürfen nicht weiter im Amt bleiben. „Wer mehrere Wochen keine Zeit hatte, um sich um dieses drängende Problem der Studierendenschaft zu kümmern sollte seinen Rücktritt einreichen“, kritisierte Moon R. A. Matin, der hochschulpolitische Referent, den Senat.
Dieses Zurückweichen von einer Entscheidung wiegt noch schwerer, ruft man sich in Erinnerung, dass bisher neun hessische Hochschulen Beschlüsse gefasst haben, die sich gegen Studiengebühren aussprechen. Allein heute haben sich die Senate der FH Frankfurt und der Universität Kassel gegen Studiengebühren ausgesprochen. „Sind einige Senatsmitglieder der Uni Frankfurt nicht des Lesens mächtig? Die Senatorinnen und Senatoren der anderen hessischen Hochschulen nutzten die Gelegenheit zur Information um so eine fundierte Entscheidung abzugeben. Wieso konnten unsere Senatsmitglieder das nicht?“, fragte der stellvertretende AStA-Vorsitzende Mike Josef insbesondere in Richtung der professoralen Senatoren.
Nach der erfolglosen Senatssitzung machten sich die Studierenden auf um einen Protestmarsch in Richtung Miquelallee zu starten, dort wurde zeitweise eine Autobahnabfahrt zur A 66 gesperrt. Die Proteste verliefen nach Polizeiangaben weitestgehend friedlich.